Neuste Info Verfassungsklage für bessere Pflege

... eine Initiative für eine würdevolle Pflege im Alter

 

Herr Wingenfeld: Der Sozialverband vdk will vor dem Bundesverfassungsgericht eine menschenwürdige Pflege per Klage durchsetzen. Wie beurteilen Sie diese Absicht?
 
Sich für gute Pflege einzusetzen ist natürlich ehrenwert. Aber ich habe mir das Gutachten angeschaut, auf das sich die Klage stützt. Dort wird der Eindruck erweckt, als sei die Versorgung von Heimbewohnern eine einzige Katastrophe. Das hat viel Echo in den Medien gefunden. Nur sieht die Wirklichkeit in den Pflegeheimen anders aus .......
 
Lesen Sie weiter: Das Interview hier

 

Wingenfeld kritisiert Skandalisierung der Pflege (hier klicken)

 

Wie sehr Herr Wingenfeld irrt, lesen Sie im nachfolgenden Leserbrief:

 

Leserbrief zum Interview mit Herrn Wingenfeld, von Werner Kollmitz. 

 

Lilienthal, den28.07.2014


Leserbrief zum Interview vom 23. Juli 2014.


Verfassungsklage für würdige Pflege- was sagt ein Experte?
Fern von der Realität!
In diesem Interview bezieht sich Herr Wingenfeld auf das Gutachten (Dissertation) von Frau Susanne Moritz.
Frau Moritz hat recht! Es gibt wenig gute, aber viele schlechte Heime in Deutschland. 1 Pflegekraft hat im Durchschnitt ca.12 Hilfe-und Pflegebedürftige zu versorgen. Das belegen mehrere Studien. Auch die folgende Studie von Herrn Wingenfeld.
Herr Wingenfeld hat bereits mehrere Gutachten zum Thema Pflege für das Bundesministerium für Gesundheit sowie für den GKV= Spitzenverband der Pflegekassen verfasst.
Auch in Nordrhein-Westfalen hatte Herr Wingenfeld die Projektleitung für das Forschungsprojekt „Pflegebedarf und Leistungsstruktur in vollstationären Pflegeeinrichtungen“.
Diese Studie wurde im Jahr 2002 veröffentlicht als NRW-Studie . Frau Moritz hat auch diese Studie als Beispiel und Beleg für eine menschenunwürdige Pflege in ihrem Gutachten erwähnt.
Es wurde in 7 Pflegeeirichtungen bei über 700 Heimbewohner direkt gemessen, wie viel Minuten Zeit eine Pflegekraft pro Bewohner in 24 Stunden für die Grundpflege zur Verfügung hat.
Aus den Pflegestufen 1-3 wurde ein Mittelwert in Minuten errechnet. Herr Wingenfeld kam mit seiner Studie, nachzulesen auf Seite 65, zu folgendem Ergebnis:
Profil des Maßnahmebereichs „Hilfen bei Alltagsverrichtungen“

Hilfe bei Verrichtungen im Bereich...
Körperhygiene, Körperpflege 13,4 Minuten
Ausscheidungen/Toilettengang 12,1 Minuten
Nahrungsaufnahme 11,5 Minuten
Aufstehen/Zubettgehen, Lagern/Betten 10,4 Minuten
Kleiden 7,5 Minuten
Fortbewegung, Stehen 6,7 Minuten
Insgesamt 61,7 Minuten

Die Minutenwerte für die Behandlungspflege sowie für die nicht auf die Bewohner bezogenen Tätigkeiten wurden separat berechnet.
Ich nehme nur den Bereich Nahrungsaufnahme heraus. In 11,5 Minuten sollen die hilfe- und pflegebedürftigen Menschen mit drei Hauptmahlzeiten und zwei Zwischenmahlzeiten versorgt werden. Wie soll das gehen?

Ebenso die Minutenwerte zur Hilfe bei den anderen Verrichtungen. Wie soll das gehen?

Ist das menschenwürdige Pflege? Trotz aller guten Bemühungen des Pflegepersonals sind diese Tätigkeiten in der kurzen Zeit niemals zu schaffen.
Heute, nach 14 Jahren seit der Erstellung der Studie, haben der Pflegeaufwand und die Bürokratie enorm zugenommen und somit die Arbeit noch weiter verdichtet. In der Studie für den GKV- Spitzenverband der Pflegekassen (Grundlagen der Personalbemessung in vollstationären Pflegeeinrichtungen) aus dem Jahr 2010 schreibt Herr Wingenfeld auf Seite 37 folgendes:
Die ermittelten Ist-Zeiten der NRW-Studie „Pflegebedarf und Leistungsstruktur“ können nicht in allen Bereichen unverändert übernommen werden. Diese Ist- Zeiten markieren im Falle körperbezogener Maßnahmen einen Rahmen, in dem nach fachlichen Kriterien zwar keine optimale, aber eine ausreichende Versorgung sichergestellt werden kann.
Ich denke, Herr Wingenfeld ist gut beraten, wenn er seine Meinung und Vorstellung von einer menschenwürdigen Pflege nochmal überdenkt!


Mit freundlichen Grüßen
Werner Kollmitz.