Soll es Ihnen einmal auch so ergehen?

... eine Initiative für eine würdevolle Pflege im Alter

Möchten Sie so behandelt werden?

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“So, nun bin ich fast 90 Jahre alt. Nachdem mein Mann vor ein paar Jahren gestorben ist, habe ich mir mein Leben in meiner Wohnung neu eingerichtet.

Mein Leben lang bin ich gerne spät ins Bett gegangen, habe Krimis geguckt und bin auch gerne morgens etwas länger im Bett geblieben, wenn es mir möglich war. Es gibt so manches Essen, welches ich auf den Tod nicht ausstehen kann, und meine Kanne Kaffee in der Früh ist mir heilig, auch die paar Gläser Wein am Abend geniesse ich jedesmal.

Ich liebe meine Wohnung, die voll mit Erinnerungen an mein Leben sind. Schöne und nicht so schöne Erinnerungen. Meine Umgebung ist mir so vertraut, ich kenne jeden Stein und Baum vor meiner Wohnung. Wenn ich aus dem Fenster sehe, erinnere ich mich, wie ich früher, als die Kinder noch klein waren, diese beim Spielen beobachtet habe. Ich erinnere mich gesehen zu haben, dass mein Mann von der Arbeit kam und an all solche Dinge.

Ich finde einmal in der Woche ein Bad reicht völlig, ansonsten reicht es sich täglich zu waschen. Meine Wäsche darf auch nicht so oft in die Waschmaschine, vom vielen Waschen geht diese ja nur schneller kaputt.

Ich habe früher auch sehr gerne gelesen, doch mittlerweile fällt es mir schwer, meine Augen werden schneller müde. Auch bin ich nun bereits nicht mehr so gut auf den Beinen, weswegen ich einmal gestürzt bin auf dem Weg zum Bad. Auch habe ich mal vergessen, dass das Bügeleisen noch an war und auf der Bluse stand, als ich abgelenkt wurde durch das Telefon, welches ich nicht sofort finden konnte.

Und der Herd war mal an, als ich noch schnell zum Supermarkt wollte, um etwas für Mittags einzukaufen, na das alles ist mir ja früher in jüngeren Jahren auch schon mal passiert.

Nun hat der Familienrat, zu dem ich wegen meines hohen Alters wohl nicht mehr gehöre, beschlossen, es sei besser, mich in ein Pflegeheim zu geben, sonst würde mir noch etwas passieren. Mir wurde gesagt, ich bin da besser aufgehoben und ich könnte dort leben wie bisher, es ist so ähnlich wie in einem Hotel im Urlaub. Nur, dass ich ja noch nie wirklich in einem Hotel war.

So, und da bin ich nun. Ich vermisse meine ganzen Möbel und Erinnerungsstücke von zu Hause. Die Bettwäsche ist steif und klamm, wie in einem Krankenhaus. Mir wurde gesagt, ich dürfte meine eigene Betwäsche nicht mitnehmen, das sei unhygienisch. Morgens um sechs Uhr kommt eine Schwester rein und schaltet das Licht an und brüllt mir ”guten Morgen” entgegen, und das, obwohl ich noch so gerne ein bisschen schlafen würde.

Nun muss es aber ganz schnell gehen und ich werde nun so oft geduscht, gewaschen etc. dass bestimmt meine Haut ganz dünn wird, das ist doch so. Jeden Tag wird mir etwas Frisches angezogen, und das von gestern in die Wäsche gebracht. Ja wissen die denn nicht, dass zu vieles Waschen meine Kleidung kaputt gehen lässt? Meine Kanne Kaffee vermisse ich schmerzlich, fast genauso wie den Blick aus meinem Fenster und die Bäume und die Steine. Meine Erinnerungen wurden weggeworfen, nur ein paar Fotoalben und eine Kommode haben Platz gefunden in diesem Zimmer, dass nun meine Wohnung sein soll.

Nur ich kann nicht abschließen, ständig kommt jemand herein, ungefragt und ohne anzuklopfen. Mir wird Essen hingestellt, wenn ich noch gar keinen Hunger habe, oder Essen, dass ich einfach nicht mag. Dann holen sie den Arzt, da ich nichts mehr essen möchte.

Auf meinen Wein abends, so wurde mir gesagt, soll ich doch verzichten, der sei nicht gut für mich und ins Bett gehen soll ich möglichst schon um 19 Uhr. Mir fehlen meine Krimis, die ja immer erst um 20:15 beginnen. Nachts kommt die Schwester, macht das Licht an, um zu sehen ob alles gut ist. Es war alles gut, doch dann liege ich wach.

Mir wurde gesagt, es würde mir dort wo ich hinkomme besser gehen. Es wäre zum Besten für mich. Das beste für mich wäre, ich könnte zurück in mein Leben, um die letzten Jahre, die ich vielleicht noch habe, glücklich sein zu dürfen. Hier bin ich es nicht!”

 

In zehn Jahren wird es 3,4 Millionen Pflegebedürftige bundesweit geben, eine Million mehr als heute. Kritiker sprechen schon heute von katastrophalen Zuständen. Möchten Sie so behandelt werden, wie uns die 90 jährige Dame berichtet hat?

Damit in Deutschland wieder in Würde gealtert werden kann, und auch im Krankheitsfall die Würde nicht verloren geht.

Ihr könnt den oben stehenden Brief entweder so übernehmen oder ihr schreibt selbst einen mit Euren Erlebnissen in der Pflege.

 

Netzfrau Tania Zimmer