Es lebe der Dorfkrug

... eine Initiative für eine würdevolle Pflege im Alter

Die nachfolgende Geschichte entnommen aus "Rosenblätter im Irrgarten". Denken Sie einmal darüber nach - so ist es wirklich!

 

     

       

Der Wirt des Dorfkruges in Überall, nennen wir ihn Herrn Zach, behandelt seine Gaststätte mit 50 Plätzen sehr stiefmütterlich. Es gibt nur einen Kellner, einen Koch und eine Küchenhilfe, basta. Die arbeiten bis zum Umfallen. Die Gaststätte ist immer gut besucht wegen der äußerst verkehrsgünstigen Lage. Langes Warten ist daher an der Tagesordnung, aber niemand der Gäste sagt etwas, weil alle froh sind, dass es die Gaststätte überhaupt in Überall gibt.

 

Herr Zach möchte aus dem Dorfkrug eher noch was rausholen als reintun und seine Frau, die die Oberhand über Personal und Finanzen hat, möchte keine Details wissen. Es läuft doch und bisher ist noch niemand vergiftet worden oder während des Wartens verhungert.

 

Immer häufiger um die Mittagszeit hält irgendein Reisebus vor Herrn Zachs Dorfkrug. Herr Zach kennt diesen Trend, aber er stockt sein Personal nicht auf. Das hat ihm seine Frau verboten. In Nullkommanichts sind fünf Tische mehr besetzt und 25 hungrige Mäuler greifen zur Speisekarte, wollen essen und trinken und etwas Spaß haben und in einer Stunde weiterfahren.  

 

Der Koch lässt nun bereits im Vorfeld die Speisekarte verschwinden und schüttet verzweifelt gewürztes  Wasser an die Kartoffelsuppe oder das zuletzt bestellte Menu wird so ungefähr nach zwei Stunden serviert. Tagtäglich möchte er  - engagiert und übermüdet - noch retten, was zu retten ist, dennoch ist Unzufriedenheit an der Tagesordnung.  Die Gäste kommen verständlicherweise nur einmal. Aber das reicht Herrn und Frau Zach, es gibt ja aufgrund der günstigen Lage und des unweigerlichen Hungers um die Mittagszeit genügend Nachschub an Reisebussen.  

 

PS: Die mitwirkenden Personen im Einzelnen:

 

Herr Zach:                                  die/der Heimleitung/Geschäftsführung/Träger 

Frau Zach:                                   die Bundespolitiker 

Koch, Kellner und Küchenhilfe:   die Mitarbeiter in den Pflegeheimen 

Gäste:                                          die Bewohner und Angehörigen  

Nachschub an Reisebussen:        die alten und pflegebedürftigen Menschen